18.04.2024 Auf meiner vorläufig letzten Etappe machte ich mir Gedanken darüber, was denn Pilgern bedeutet bzw. was es so anders macht. Auch war das immer wieder Gesprächsthema unterwegs. Für mich durfte ich spüren, dass ich jetzt zu der Pilgergemeinschaft gehöre. Das fühlt sich gut an, besonders, als ich darüber nachdachte, dass z.B. Jürgen 2022 ebenso wie einige anderen Pilger auch hier gegangen ist. Ich trete quasi in seine Fußstapfen.
Woher kommt eigentlich das Wort Pilgern? Es hat seinen Ursprung im Lateinischen – peregrinus (oder peregrinari, „in der Fremde sein“). Jürgen meinte er pilgert u.a. weil er ein Ziel hat, ein Tagesziel bzw. sein Endziel. Ich gehe den Weg in Etappen und gehe immer in eine Richtung. Für mich geht es beim Pilgern auch um Ankommen. Auf der einen Seite Ankommen bei meinem Tagesziel, auf der anderen Seite Ankommen bei mir selber. Bezogen auf das Tagesziel ist es jedoch nicht wirklich vorgegeben, denn letztendlich wusste ich erst beim Ankommen welches mein Tagesziel war, denn es kann sein, dass sich das während des Tages verändert.
Heute ließ ich es etwas langsamer angehen und saugte die Stimmung des vorläufigen Pilgerabschiedes auf. So trank ich heute z.B. 2 statt 1 Tasse Kaffee und zelebrierte mein Frühstück 🥰. Dann die Pilgerherberge gut hinterlassen und los ging meine letzte kurze Etappe nach Fischerhude. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, hinterlasse die Herberge so wie Du sie vorgefunden hast bzw. noch besser.




Heute ging ich mal ohne Stöcke, stellte aber fest, dass es für mich mit Stöcken besser ist. Sie sind eine super Unterstützung für den Körper. Viele Pilger gehen ohne, deshalb wollte ich das mal probieren. Mein Weg führte mich durch die wunderbare Wümmelandschaft, wobei hier schon auffiel, dass das Wasser auf den Wiesen wahrscheinlich nicht so da hingehört. Später erfuhr ich von Angelika, dass die Wümme im Winter so über die Ufer getreten war, dass um Fischerhude die Landschaft einem einzigen See glich.







Nach ca. 9 km sah ich die ersten Häuser von Fischerhude u.a. das Otto-Modersohn-Museum. Es war ein ergreifendes Gefühl, auch weil ich nun bekannte Gefilde betrat.


Fischerhude ist für mich irgendwie ein verwunschenes romantisches Dorf, welches an jeder Ecke etwas aus der Geschichte erzählt. Kunst trifft man hier fast an jeder Ecke.









Die Kirche in Fischerhude ist eine der wenigen Kirchen unterwegs, die 1. offen war und 2. in der der Pilgerstempel frei zugänglich war. Ich nahm mir hier Zeit für meine Ankunft – das war schön ❤️.





Ein paar Gehminuten weiter erreichte ich meine heutige „Wellness“-Herberge. Ich wurde rundum von Angelika und Stephan versorgt. Vielen lieben Dank 🙏.



Am Nachmittag machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch Fischerhude und ich freute mich auf ein Stück Torte im Puppencafé. Und hier nahm die Tradition Eierlikörtorte ihre Fortsetzung 😀. Danach noch eine kleine Runde über den Poesie – Pillen -Pfad und ich ließ den Tag ausklingen bei Ofenwärme, Wein und guten Gesprächen.



Pilger-ABC: zum Thema Blessuren vermeiden 😇. Aus Selbsterfahrung kann ich sagen, dass es sich sehr empfiehlt rechtzeitig auf die Zeichen des Körpers zu hören. Bei Androhung von Blasen, rechtzeitig Blasenpflaster drauf bzw. wenn es am Hacken drückt, Tape drauf. So konnte ich bei meiner jetzigen Reise Schlimmeres vermeiden. 👍. Und natürlich ist so eine Pilgerwanderung anstrengend und es kann vorkommen, dass man Schmerzen hat, aber das geht vorbei, spätestens wenn man an der Herberge angekommen ist 😇.
Wasser trinken- wichtig! Manchmal kam es vor, dass ich vergessen habe zu trinken. Ein Tipp ist, morgens den Wasserspeicher erstmal ordentlich aufzufüllen.
Highlight: der Empfang an der Kirche in Fischerhude (der Himmel weinte wahrscheinlich vor Freude 🥰)
Herausforderung: die Kirchentür zu öffnen 🙈😉
Danke: an Stephan und Angelika für den herzlichen selbstlosen Empfang und das Wellnessprogramm für Körper, Geist und Seele 🙏; an Anne für Deine Spontanität – schön, dass Du Dir Zeit zu einem Treffen genommen hast 🙏
Auch mein Glückswürmchen hat sein erstes Etappenziel erreicht und vorerst Pilgerpause. 😇

